Das Projekt AnaCredit - Die Schaffung eines zentralen europäischen Kreditregisters

Die EZB-Verordnung zu der neuen Meldung Analytical Credit Dataset (AnaCredit) wurde am 07.12.2015 im Entwurf veröffentlicht. Ab Mitte 2017 sollen danach gehend ca. 100 Datenfelder mit Informationen zu Krediten, Kreditnehmern und Kreditsicherheiten über die nationalen Zentralbanken an die EZB gemeldet werden. 

Zielsetzung

Die Sammlung der granularen Kreditarten soll einerseits für die Schaffung von neuen Statistiken zur Verfügung stehen sowie andererseits die Qualität von bereits bestehenden Statistiken verbessern. Beides soll dazu dienen, die Erfüllung der Aufgaben des Eurosystems zu unterstützen. Darunter die geldpolitische Analyse, das Risikomanagement, die Finanzstabilität sowie die Unterstützung bei der Finanzaufsicht subsummiert. Vor diesem Hintergrund wurde seitens der EZB das Projekt Analytical Credit Dataset („AnaCredit“) ins Leben gerufen. 

Zeitplan

Zeitplan bis zum Inkrafttreten

Die Anwendung der AnaCredit-Verordnung erfolgt nicht vor Mitte 2017 und startet mit einer nationalen Meldung an die Bundesbank (Stammdatenmeldung, ggf. auch Betragsdaten), bis die Meldungen mit den Daten per 31.03.2018 an die EZB weitergeleitet werden. Die Bundesbank hat bereits avisiert, dass sie der Vorabmeldung eine Testphase vorschalten wird. Wurde in der Vergangenheit noch von mehreren (drei) Phasen bei der Einführung gesprochen, so ist dies im vorliegenden Entwurf nicht mehr explizit beschrieben. Vielmehr wird nun von einer „ersten Stufe“ und „Folgestufen“ gesprochen. Es ist also damit zu rechnen, dass im Laufe der Zeit Anpassungen an den Vorgaben zu AnaCredit durch die Aufsicht erfolgen werden (Kreis der Meldepflichtigen, melderelevante Produkte sowie Kreditnehmer). 

Inkrafttreten und Rahmen der Meldung

Die Meldung umfasst bei Erreichen der Meldeschwelle pro Kreditnehmer die Lieferung jedes einzelnen Kreditdatensatzes („Loan by Loan-Ansatz“) mit den nach AnaCredit geforderten Feldinformationen. 

Die Meldeschwelle, ab der die einzelnen Geschäfte von der meldepflichtigen an die EZB zu übertragen sind, beträgt 25.000 EUR pro Kreditnehmer. Im Falle von „leistungsgestörten oder wertgeminderten“ Krediten gilt eine Meldeschwelle von 100 EUR pro Kreditnehmer, ab der dann sämtliche Kredite des Kreditnehmers zu melden sind.

Zu Beginn sind sämtliche Kreditinstitute zur Meldung ihrer Kredite verpflichtet. Melderelevante Produkte sind Überziehungskredite, Kreditkartenkredite, unechte Pensionsgeschäfte, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Finanzierungsleasing, eigene Einlagen (soweit sie Aktiva darstellen) und außerbilanzielle Geschäfte wie Linien und Zusagen. Finanzielle und nichtfinanzielle Unternehmen sowie die öffentlichen Hand stellen die melderelevanten Kreditnehmer dar. 

AnaCredit ist grundsätzlich monatlich zu melden, dies schließt die Personenstammdaten mit ein. Eine untermonatliche Meldung bei Änderung der Stammdaten wird nicht mehr gefordert. Lediglich die Datenanforderungen zum Rechnungswesen und Kontrahentenrisiko (die Ausfallwahrscheinlichkeit) sind quartalsweise zu melden. 

Außerbilanziellen Geschäfte wie Garantien, Bürgschaften und Derivate werden gegebenenfalls in der Folgezeit meldepflichtig, ebenso wie Kredite an Personengesellschaften, Einzelunternehmen und Kaufleute. Wohnungsbaudarlehen an Privatpersonen sind in der ersten Stufe nicht enthalten. Derzeit wird jedoch untersucht, in welcher Art und Weise die Empfehlung des Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) vom 30.06.2015 dennoch umgesetzt werden kann, um die bestehenden Datenlücken in diesem Marktsegment in Deutschland zu schließen.

Durch die Bundesbank erfolgt dann eine für Einzelunternehmer, Einzelkaufleute und private Haushalte anonymisierte Weiterleitung der Daten an die EZB. Des Weiteren wird die Meldung voraussichtlich in einer späteren Phase um eine konsolidierte Gruppenmeldung ergänzt. Zusätzlich dürfte der Kreis der Meldepflichtigen deutlich erweitert werden und nationalen Zentralbanken, Geldmarktfonds, Investmentfonds, Versicherungen und Altersvorsorgeeinrichtungen einbeziehen. 

Inhalt / Attribute der Meldung

Die letzte Version der Datenanforderung seitens der EZB umfasst insgesamt 101 Datenfelder (bzw. 94, plus sieben Identifier-Nummern), die je nach Relevanz für jeden Kredit separat zu interpretieren und zu liefern sind. Dabei lassen sich die Anforderungen grob klassifizieren in 

  • Angaben zum Kreditgeber, 
  • Angaben zum Kreditnehmer, 
  • Angaben zum Geschäft, 
  • Angaben zum Sicherungsgeber
  • Angaben zum Sicherungsgegenstand sowie 
  • Angaben zur Erkennung von gemeinschaftlichen Ausleihungen und Schuldverhältnissen. 

Die folgenden Datenanforderungen werden in Bezug auf deren Verfügbarkeit besonders kritisch gesehen:

  • Größe des Geschäftspartners (Anzahl Angestellte / Umsatz),
  • Beginn des ersten Rechtsverfahrens,
  • Sämtliche Zahlungen seit Ausfall und
  • Ursprünglicher Wert der Sicherheit bei Geschäftsabschluss.

Die Bundesbank kann zu den 101 Datenfeldern noch weitere Attribute, die nicht in der Verordnung enthalten sind, anfordern. Diese bleiben einer nationalen Verordnung vorbehalten, die noch veröffentlicht wird.

Weiterführende Fragen und offene Punkte 

Die AnaCredit-Meldung stellt die Institute sowohl vom Umfang als auch von der Komplexität vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen, denen sie sich frühzeitig stellen sollten. Eine besondere Rolle spielt, wie so oft in der Vergangenheit, der institutsinterne Datenhaushalt. AnaCredit zeigt, dass eine einheitliche Datenbasis aus den Bereichen Stammdaten, Risikomanagement, Bilanzierung/Rechnungswesen und Meldewesen unumgänglich ist. 

Die Anforderungen an den Datenhaushalt in Bezug auf Verfügbarkeit, Granularität und Qualität sind hoch. Für jedes einzelne Datenfeld ist zu klären, ob und an welcher Stelle die Information in der erforderlichen Granularität vorhanden ist.