Baseler Vorgaben zur Überarbeitung des Standardansatzes für Kreditrisiken (KSA)

Entwicklung und Folgen für Banken durch die Überarbeitung des KSA

Das Baseler Komitee veröffentlichte im Dezember 2014 einen ersten Vorschlag für ein überarbeitetes Rahmenwerk zum Kreditrisikostandardansatz, kurz KSA. Das erste Konsultationspapier zum neuen KSA war sehr umfangreich und hätte in dieser Form zu hohen Anpassungsaufwänden in den Geldhäusern geführt. Im Wesentlichen basierte er auf einem vollständigen Verzicht auf die Verwendung externer Ratings zur Risikogewichtsermittlung sowie der Einführung neuer Risikotreiber, wie beispielsweise der Verschuldungsquote bei Unternehmen oder der CET1 Ratio von Banken. Wegen der enormen Datenanforderungen und unwesentlicher Steigerung der Risikosensitivität erntete der Vorschlag viel Kritik. Nach der ersten „Quantitative Impact Study“ (QIS) entschied sich das Komitee, die Anforderungen zu überarbeiten und veröffentlichte im Dezember 2015 das zweite Konsultationspapier für den neuen KSA.

Der neue KSA – Stand heute    

Im zweiten Konsultationspapier für die Überarbeitung des KSA wurde die Einführung neuer Risikotreiber verworfen und die Anwendung externer Ratings für die Risikogewichtsermittlung wieder erlaubt.

Bei der Ermittlung der Risikogewichte für die Forderungsklassen Banken und Unternehmen soll zukünftig zwischen Ländern, die externe Ratings erlauben und denen, die externe Ratings nicht erlauben, unterschieden werden.

Dürfen externe Ratings angewendet werden, so müssen diese nun zusätzlich durch eine interne Risikoprüfung („due diligence“) auf ihre Angemessenheit hin überprüft werden. Durch diese Prüfung kann das Risikogewicht potentiell erhöht, aber niemals verringert werden. Der Einbau dieser Due Diligence in den bestehen-den Meldewesen-Prozess betrachten wir bei SKS als eine der zentralen Herausforderungen bei der Umsetzung des neuen KSA.

Banken in Ländern, denen externe Ratings nicht erlaubt sind, ordnen die Gegenpartei einer von drei Klassen (A-C) zu, in denen ein entsprechendes Risikogewicht (50-150% Risikogewicht) zugewiesen wird.

Großer Anpassungsbedarf bei durch Immobilien besicherte Positionen 

Der umfangreichste Anpassungsbedarf wird in der Forderungsklasse durch Immobilien besicherte Positionen erwartet. Gab es bisher nur eine Unterglie-derung in Gewerbe- und Wohnimmobilien mit jeweils fest zugewiesenen Risiko-gewichten, so wird nun zusätzlich noch zwischen einkommengenerierenden, nicht-einkommengenerierenden sowie Grunderwerbs-, Erschließungs- und Bebauungs-vorhaben von Grundbesitz  (land acquisition, development and construction, ADC) unterschieden. Das Risikogewicht wird künftig größtenteils an der Loan-to-Value-Ratio festgemacht. Von diesen Änderungen sind vor allem  Hypotheken- und Pfandbriefbanken stark betroffen.

Anpassungen im Bereich Mengengeschäft  und außerbilanzielle Positionen

Im aktuellen KSA erfolgt die Risikogewichtung mit einem pauschalen Risikoge-wicht von 75% für alle Retail Positionen. Der neue KSA unterteilt Retail in zwei Kategorien: aufsichtsrechtliches Retail und sonstiges Retail. Das aufsichtsrecht-liche Retail wird mit einem Risikogewicht von 75% und das sonstige Retail mit einem Risikogewicht von 100% bewertet.

Bei außerbilanziellen Positionen wird es den Umrechnungsfaktor (CCF) von 0% zukünftig nicht mehr geben. Für widerrufliche Zusagen auf Unternehmens-finanzierungen ist mit einem CCF von 50%-75% zu rechnen; abhängig von der Laufzeit des Kredits. Widerrufliche Zusagen im Mengengeschäft erhalten einen CCF von 10% in der Zukunft.

KMU-Faktor, Währungsrisiken und Sicherheitenanrechnung

Durch die Überarbeitung des KSA zeichnet sich eine höhere EK-Belastung ab. So werden beispielsweise KMUs künftig nicht mehr mit dem üblichen KMU Faktor begünstigt. Unternehmensfinanzierungen, Retailforderungen und durch Wohn-immobilen besicherte Positionen in Fremdwährung erhalten pauschal einen 50% FX-Add-On, wodurch der mit Eigenkapital zu unterlegende Betrag weiter erhöht wird.

Anders als zunächst vorgesehen, wird es auch zukünftig möglich sein, externe Ratings (sofern vom Sitzland erlaubt) zur Berechnung von Haircuts bei finanziellen Sicherheiten heranzuziehen. Es wird jedoch nicht mehr möglich sein, eigene Schätzungen von Haircuts oder Value-at-Risk Modelle zu verwenden. Neben der Abschaffung der internen Modelle wird es auch nicht mehr möglich sein, eine Besicherung durch nth-to-Default Credit Default Swaps durchzuführen. Hier ist ebenfalls mit einem höheren Kapitalbedarf zur Deckung solcher Engagements zu rechnen.

Folgen des neuen KSA

Von den geplanten Änderungen im Kreditrisiko Standardansatz sind sowohl KSA als auch IRB-Banken betroffen, da der neue KSA den Grundsatz I als Floor ab-lösen soll. Mit erhöhten RWAs werden Banken gezwungen sein, ihr Eigenkapital entsprechend anzupassen.

Im Zuge der Basel III-QIS 2016 möchte das Komitee Daten zum zweiten Konsultationspapier sammeln und auswerten.